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Anhänger komplett von RechtsWer glaubt, dass das Bauen eines Karnevalwagens einfach ist ...

... darf sich gerne mal informieren, wie das in 2026 irgendwo in QI ablief.

Dieses Protokoll hatte uns am 15.2.2026 erreicht. Viel Spaß beim Lesen.

 

Ich habe mal in ein paar einfachen Worten festgehalten, was vor ein paar Tagen auf einem Stück Erde, nicht weit von hier, sich zugetragen hat. Ich nenne es mal

Protokoll eines Wagenbaues

 

An einem arschkalten, wolkenverhangenen Regentag trafen sich drei herumstreunende Individuen der Ordnung Mensch zum Zwecke der gemeinschaftlichen Freizeitgestaltung.
Während die Drei so herumlungerten, kamen sie überein, sich eines herrenlos erscheinenden Wagens in der Gestalt eines Anhängers zu bemächtigen.

Um den eventuellen Besitzansprüchen eines möglichen Eigentümers entgegen zu wirken, wollten sie den Wagen verkleiden.
Deshalb stöberte das Trio in einem nahegelegenen, geheimnisumwitterten Häuschen und fand eine Plane. Schnell war man sich einig, sich diese Plane zunutze zu machen. Die Plane war mit undefinierten Zeichen und Skizzen versehen und ähnelte mehr einer Felszeichnung.

 

Doch die Interpretation des Dargebotenen verschob man erst einmal in die Zukunft und wollte sie dem Betrachter überlassen.
Im weiteren Verlauf des Geschehens zeigten sich die jeweiligen Fähigkeiten jedes Teilhabers des Trio. Die des Autors der vorzeitlichen Bauzeichnung erinnerten an Malerei und die des anderen an Musik, so virtuos wie er den Elektroschrauber beherrschte. Ich half mit klaren und unmißverständlichen Arbeitsanweisungen wie z. B.

„Mächens vürran oder Lurens he.“

Wie bei einem modernen Gemälde war zunächst nicht klar, wo bei der Plane oben und vorne, hinten und links war. Da trat einer der Drei mit Führungseigenschaften ausgestattet hervor und schlug vor, die Plane auf dem Erdboden auszubreiten und den Wagen darauf zu stellen.

Anhänger Planen auf Boden gelegt

In Ermangelung einer Alternative - und niemand der anderen beiden wollte den Enthusiasmus des Ideengebers dämpfen - wurde diese bahnbrechend erscheinende Idee zügig umgesetzt.
Nachdem die Plane ausgebreitet war, wurde der Wagen darauf geschoben. Nach längerem Hin und Her und einiger rücksichtsvoll geäußerter Bedenken schob man den Wagen wieder von der Plane herunter. Mit dieser ungeheuren Kraftanstrengung, denn der Wagen mußte bergauf geschoben werden, kamen die Drei ihrer körperlichen und geistigen Leistungsgrenze ziemlich nahe. Einig waren die begnadeten Drei sich in der Festlegung, die Felszeichnungen nach außen anzuordnen.
Darüberhin wurde es Zeit für einen Kaffee oder ein Wasser. Auf diese Weise frisch gestärkt, fand das Trio zu einer Anordnung der Plane, die ein Gestell erforderte, denn, und darin waren sich alle Drei einig, ein Siemens-Lufthaken erschien nicht auszureichen. Also stöberten die Drei in der Gegend umher und trugen Holzstangen zusammen, aus denen ein Gestell gebastelt werden sollte.

Anhänger Lattenchaos

Bei der Gelegenheit fand sich auch eine Aufzeichnung mit Strichen aus Vorzeiten, die an den Satz des Pythagoras erinnerte.

Anhänger Montageplan

Mir kam sie eher wie das Bild von einem Mikadospiel vor. Doch letztlich entstand aus den gesammelten Holzstangen auf der Grundlage des Mikadoplanes ein Gerüst, auf dem die Plane aufgebracht werden sollte. Die Plane sollte daher mit Schrauben auf den Holzstangen befestigt werden.

Anhänger mit Gerüst

Von diesem gewaltigen Arbeitsfortschritt beseelt schritt der Herr des Elektroschraubers zur Tat. Er drehte die Schrauben rechts und links, vor und zurück. Mancher Schraube wurde schwindlig, so schnell versank sie in Demut im Holz. Manche Schraube hielt dem Stress nicht stand und verlor sich in den Tiefen eines Falls auf Nimmerwiedersehen.

Anhänger Montage

Einfach bewundernswert war die Kompromißfähigkeit der Drei. Bei der Frage der Anordnung der Schrauben kam dem Trio die ungerade Anzahl der Teilhaber zugute, denn manchmal wurde über die Position einer Schraube abgestimmt. Lautete das Abstimmungsergebnis 2 : 1, so legte der Mehrheitsbeschluß das Schicksal der Schraube fest. Bei einem Abstimmungsergebnis 1 : 1 : 1 erhielt jede Schraube die Position ihres jeweiligen Befürworters.
Als die Nacht hereinbrach, schauten die drei Begnadeten zufrieden auf ihr Tagwerk

Anhänger komplett von vorne Rechts

und beschlossen, dieses Wunderwerk - denn die Bezeichnung Meisterwerk wäre zu gering - der Abnahme durch eine eigens berufene Abnahmekommission anheim zu stellen.
Die Abnahme erfolgte einige Tage später.

Anhänger Abnahme

Manche Mitglieder der Abnahmekommission waren so ergriffen, daß sie die Freudentränen nicht zurückhalten konnten. Die Mitglieder, die der Kritik näher standen, hielten sich mehr im Hintergrund. Der Vorsteher der Karnevalsgemeinschaft und in Personalunion der Abnahmekommission fand vor Rührung kaum Worte und fasste sich deshalb kurz mit dem anerkennenden und der Ewigkeit anheim gestellten Satz:

„Dat hatt ihr jood jemaat.“

 


Dieses Erfolgserlebnis genießend trafen sich alle zu gespendetem Kaffee und Kuchen.


Und wenn sie nicht gestorben sind, werkeln sie heute noch.
Alaaf

 

Einer von den Drei